Furtwängler's Love

Film Essay, 70 min, 2004

Director(s): Jan Schmidt-Garre
In collaboration with Georg Albrecht Eckle
DOP: Thomas Bresinsky
Editor: Peter Przygodda, Wolfgang Weigl

Featuring: Elisabeth Furtwängler, Ingolf Turban, Roberto Saccà and Frederik Malmqvist

A film essay on Wilhelm Furtwängler, the great conductor; on Furtwängler, the dedicated composer and on Furtwängler, the loving partner.
A search for the aesthetic phenomenon and a perspective on the constant struggle of the conductor versus the composer.


Co-produced by MTV, NRK, ORF, SF, SVT, TSI, and YLE
Supported by Media+

Press

Statement of the Jury at Golden Prague, Mai 2004
(Czech Crystal special mention)

A warm and personal film that beautifully lives up to its title.

Statement of Golden Prague Jury member Thomas Beck
Unter immerhin 65 Filmen im Bereich "Documentary" hat die Jury einstimmig zwei Filme ausgezeichnet: "Elliott Carter" von Frank Sheffer mit dem Hauptpreis in dieser Kategorie und "Furtwängler's Love" mit einer Erwähnung. Die ganze siebenköpfige Jury war begeistert von der persönlichen, warmherzigen Atmosphäre des Films, dessen Herzstück natürlich das wunderbare Interview mit der Witwe Furtwänglers ist. Unter allen Filmen im hochkarätigen Wettbewerb war "Furtwängler's Love" eindeutig der persönlichste: nicht nur, weil er aus der subjektiven Perspektive erzählt, sondern weil er einen ganz eigenen, nicht von "objektivem" Archivmaterial verstellten Zugang zur Persönlichkeit Furtwänglers findet. Beeindruckend fanden wir, dass der Film von vorneherein auf dokumentarische Chronologie und Vollständigkeit verzichte. "Furtwängler's Love" läßt sich Zeit und entwickelt seine Dramaturgie ganz aus der Nähe und der Atmosphäre der menschlichen Begegnung; das gibt ihm seinen eigenen Atem und macht ihn so bewegend. Ein sehr sehr schöner Film, zu dem ich - auch abseits von der Auszeichnung - ganz herzlich gratuliere.

Süddeutsche Zeitung, 15.7.04
Ein Leben, zwei Lieben

Regisseur Jan Schmidt-Garres Essay über Wilhelm Furtwängler

Wilhelm Furtwängler kannte keine Werktreue, Tempoangaben waren ihm fremd. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das Richtige", sagte er einmal. 2004 jährt sich der Todestag des Dirigenten, der dem Orchester seinen Willen nicht allein durch übliches Taktschlagen, sondern vor allem durch expressive Gestik zu vermitteln suchte, zum 50. Mal. Der Filmessay "Furtwänglers Liebe" blickt zurück auf das Leben des Dirigenten und Komponisten und stellt die verchiedenen Bedeutungen des Wortes "Liebe" in Furtwänglers Leben vor. Furtwängler selbst definierte die Liebe einmal so: "Sich-Einstellen heißt Liebe. Sie ist das Gegenteil vom Abschätzen, vom Vergleichen. Sie sieht das Unvergeleichbare, Einzigartige."
Da war natürlich die Liebe zur Musik, die er als Dirigent öffentlich ausdrückte und als Komponist als geheime Leidenschaft pflegte. Der Film verzichtet allerdings auf Rückblicke, nur zweimal taucht blitzartig ein historischer Filmausschnitt auf. Aus der Gegenwart wollte Drehbuch-Autor und Regisseur Jan Schmidt-Garre das Wirken Furtwänglers beleuchten. So erklingen die Violinsonaten, frühe Klavierstücke und -lieder - gespielt von Ingolf Turban - bei einem Fest in Furtwänglers Haus, an seinem Flügel, unter seinem Kokoschka-Portrait. Elisabeth, seine Ehefrau von 1943 bis 1954, gewährt dem Zuschauer Einblicke in ihr Haus am Genfer See - und in ihr Herz. Die heute 93-Jährige erzählt mit Humor und Leidenschaft ihre Liebesgeschichte, von der ersten Begegnung über den ersten Kuß bis zu Furtwänglers Tod. Furtwängler selbst kommt in Radio-Interviews und Vorträgen zu Wort, auf Interviews mit anderen heute 90-jährigen Zeitzeugen wurde bewußt verzichtet.

 

Furtwänglers Liebe
A warm and personal film that beautifully lives up to its title.

Auszeichnung mit dem „Tschechischen Kristall“, Golden Prague, Mai 2004

Alterslos - Furtwänglers Liebe, mit viel Poesie dokumentiert: Jemand fährt Zug und studiert eine Partitur. Eine alterslose Männerhand mit breitem Ehering, in hellem Mantelärmel, schreibt mit Bleistift Anmerkungen zwischen die Noten. Draußen gleitet ein Nadelwald vorbei. Dazu ertönen Hörner und weiche Streicher, „Freischütz“-Ouvertüre. „Ein Werk über die Liebe, wie kaum ein zweites“, sagt Wilhelm Furtwänglers Stimme aus dem Off – Zitat aus der Rede zur Salzburger „Freischütz“-Produktion aus seinem letzten Lebensjahr, 1954. Dann überquert der Zug eine stark befahrene Autobahn. Die Sequenz wird nicht aus dem Film eleminiert. Die Verfremdung durch Vermischung der Zeiten bleibt bestehen. Jan Schmidt-Garres Dokumentarfilm über den liebenden Furtwängler hat Mut zu Poesie, aber kitschig wird er nicht. Davor schützt ihn seine Protagonisten, Furtwänglers Frau Elisabeth. Wann immer sie über die erste Umarmung, die Schüchternheit, die Frauenleidenschaft von „Fu“ spricht, bezaubert sie den Zuschauer durch unsentimentalen Charme. Sie ist der Typ eines Berliner Bürgertums des Vorkriegs, schlagfertig und gebildet. Wenn die eigenen Kompositionen Furtwänglers, der sich selbst immer als Zufallsdirigent sah, gespielt werden, hört sie mit ungekünsteltem Ausdruck.

Anja-Rosa Thöming, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. 6. 2008

Der Filmessay "Furtwänglers Liebe" blickt zurück auf das Leben des Dirigenten und Komponisten und stellt die verchiedenen Bedeutungen des Wortes "Liebe" in Furtwänglers Leben vor. Furtwängler selbst definierte die Liebe einmal so: "Sich-Einstellen heißt Liebe. Sie ist das Gegenteil vom Abschätzen, vom Vergleichen. Sie sieht das Unvergeleichbare, Einzigartige." Da war natürlich die Liebe zur Musik, die er als Dirigent öffentlich ausdrückte und als Komponist als geheime Leidenschaft pflegte. Der Film verzichtet allerdings auf Rückblicke, nur zweimal taucht blitzartig ein historischer Filmausschnitt auf. Aus der Gegenwart wollte Drehbuch-Autor und Regisseur Jan Schmidt-Garre das Wirken Furtwänglers beleuchten. So erklingen die Violinsonaten, frühe Klavier¬stücke und -lieder - gespielt von Ingolf Turban - bei einem Fest in Furtwänglers Haus, an seinem Flügel, unter seinem Kokoschka-Portrait. Elisabeth, seine Ehefrau von 1943 bis 1954, gewährt dem Zuschauer Einblicke in ihr Haus am Genfer See - und in ihr Herz. Die heute 93-Jährige erzählt mit Humor und Leidenschaft ihre Liebesgeschichte, von der ersten Begegnung über den ersten Kuß bis zu Furtwänglers Tod. Furtwängler selbst kommt in Radio-Interviews und Vorträgen zu Wort, auf Interviews mit anderen heute 90-jährigen Zeitzeugen wurde bewußt verzichtet.
Süddeutsche Zeitung, 15. 7. 2004

This is a very peculiar, but appealing film that will be of interest to anyone interested in Wilhelm Furtwängler. At the center of the film is the remarkable widow of the conductor, Elisabeth, who was in her early nineties when this film was made. The film purports to explore Furtwängler’s loves—music and Elisabeth—and does so in a very touching, human way. Furtwängler’s Love is described as a “film essay,” and it is a deeply personal and revealing portrayal of both the artist and the man. Elisabeth is remarkably frank, about falling in love with him at a time he was dating her sister, about his “harem” and his many illegitimate children, and about how deeply she was in love with him and he with her. Perhaps most moving is her description of his final days in 1954, when he knew he was dying and, in fact, was ready to die.

At the same time, the film explores, through Furtwängler’s own words, his feelings about music—and about composing as well as conducting. It makes clear that he (in much the same way as Leonard Bernstein) wished to be remembered as a composer rather than a conductor. I found the personal openness and conversational approach taken with Elisabeth to be both involving and moving, and I would recommend the film to anyone with an interest in Furtwängler, and this period in German history.
Henry Fogel, Fanfare Magazine, September/Oktober 2008

Furtwänglers Liebe lässt sich Zeit und entwickelt seine Dramaturgie ganz aus der Nähe und der Atmosphäre der menschlichen Begegnung; das gibt ihm seinen eigenen Atem und macht ihn so bewegend. Ein sehr schöner Film, der zugleich ein Stück deutscher Geschichte, hier jedoch ganz persönlich gefärbt, dem heutigen Interessenten nahe bringt. Der Neue Merker, 26. 3. 2008

... Die ganze siebenköpfige Jury war begeistert von der persönlichen, warm¬herzigen Atmosphäre des Films, dessen Herzstück natürlich das wunderbare Interview mit der Witwe Furtwänglers ist. Unter allen Filmen im hochkarätigen Wettbewerb war "Furtwängler's Love" eindeutig der persönlichste: nicht nur, weil er aus der subjektiven Perspektive erzählt, sondern weil er einen ganz eigenen, nicht von "objektivem" Archivmaterial verstellten Zugang zur Persönlichkeit Furtwänglers findet. Beeindruckend fanden wir, dass der Film von vorneherein auf dokumentarische Chronologie und Vollständigkeit verzichte. "Furtwängler's Love" läßt sich Zeit und entwickelt seine Dramaturgie ganz aus der Nähe und der Atmosphäre der menschlichen Begegnung; das gibt ihm seinen eigenen Atem und macht ihn so bewegend. Ein sehr sehr schöner Film, zu dem ich - auch abseits von der Auszeichnung - ganz herzlich gratuliere. Statement der Jury des Golden Prague

"Beeindruckend fanden wir, dass der Film von vorneherein auf dokumentarische Chronologie und Vollständigkeit verzichtete. "Furtwängler’s Love" läßt sich Zeit und entwickelt seine Dramaturgie ganz aus der Nähe und der Atmosphäre der menschlichen Begegnung, das gibt ihm seinen eigenen Atem und macht ihn so bewegend." (Thomas Beck, Golden Praque Jury Mitglied) Ein filmischer Essay von Jan Schmidt-Garre über Wilhelm Furtwängler, den großen Dirigenten, den engagierten Komponisten und den liebenden Partner. Seine Witwe, Elisabeth Furtwängler erzählte 2004 in privater Atmosphäre, Unterhaltsames, Nachdenkliches und Intimes, Details aus einem gemeinsamen Leben vom ersten Kennenlernen bis zum letzten Kuß. Ein ganz eigener, nicht von "objektivem" Archivmaterial verstellter Zugang zur Persönlichkeit Furtwänglers.

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Awards

Award at the Golden Prague Festival Director: Jan Schmidt-Garre

Releases

Furtwängler’s Love

2004 - 70 min + MP 3 Files with a running time of 318 min - Jan Schmidt-Garre

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Theory

Wilhelm Furtwängler: On Love and Music

Love
One has to immerse oneself in a work of art, it's a self-contained world, a world unto itself. This process is called love. It is the opposite of evaluating or comparing. It only sees the incomparable, the unique. It is this love, provoked by the work again and again, that enables us to grasp the work as a whole. And the whole is nothing other than love. Every part can be grasped by the intellect, but the whole can only be understood with this kind of love.

Cadenza
The basis of the tonality is the cadenza. A certain space is encompassed by its simplest steps, one to the dominant and then to the sub-dominant and finally back to the tonic. These steps not only make a connection between one chord and the adjacent one but also - and this is crucial - they also create a greater, superior context that connects together all the links in the cadenza from its starting-off point to its end. This superior context, this space that the cadenza creates, is nothing less than the decisive element: the music can take shape, it has found a point from which it can depart and an end that it can reach. A fugue such as Bach wrote or a movement from a symphony such as Beethoven wrote represent literally a cadenza extended into gigantic proportions.

Interpretation
Thus a piece of tonal music offers something like a view of the sea: there are smaller waves on top of big ones, and smaller ones again on top of them, and so on. The wave is here the same as the tension in a cadenza, large ones and ever-smaller ones laid on top of one another. We are therefore dealing here with a system of independent forces that take their effect independently of our desires and wishes. It is not until our desire for expression becomes one with the desire for expression of these forces that the work of art can arise.

Atonality
Accompanying an atonal musician hand-in-hand is like going through a thick forest. Along the path, weird and wonderful flowers and plants draw our attention and one does not know oneself where one has come from or where one is going. The listener is gripped by the feeling of being exposed to the power of elemental existence. There is admittedly no denying that a certain note has thus been struck in the modern human being's feeling for life.

Tonality
In contrast to that the cadenza arises in tonal music on the firm foundations of the triad. The tension grows out of the release of tension in order to grasp the diversity of life's forms and ultimately, according to the law that governs it, to return to the starting-off point, the so-called tonic. The more tranquil and complete the release of tension is the more powerful are the tensions that become possible on its basis. Indeed, it is only through the corresponding release of tension that must precede it that any kind of tension is possible in the first place and can be recovered afterwards. Every great piece of tonal music, therefore, despite all the excitement that can be driven to the limit of human comprehension, exudes a deep and unshakeable tranquillity that permeates everything and everyone like a memory of the majesty of God.

(Compilation by Jan Schmidt-Garre)