Schiller and Music

Music Documentary, 80 min, 2008

Director(s): Marieke Schroeder
Cinematography: Ralph Netzer
Editor: Gaby Kull-Neujahr

Featuring: Peter Guelke, Jacquelyn Wagner, Raphael Pauss, Franziska Hirtzel, Joachim Herz, Dieter Hildebrandt, u.a.

Everybody knows Schiller, everybody knows how to Schiller, Schiller touches everybody, Schiller is played and Schiller is sung. Many operas are based on his dramas, his poetry ceaselessly worked with. This film is an exploring journey through Schillers town Weimar retracing his steps and thoughts. Visiting important places and always accompanied by music, it engagingly brings Schillers poetic and musical reality into the present. The famous „Ode an die Freude “ with which Beethoven ended his 9th symphony and which has now taken on yet another meaning by signifying the idea of Europe, will serve as a red thread throughout the film.


Co-produced by SWR and Scholz Filmproduktion

Press

Schiller und die Musik – Schiller and Music

"Schiller und die Musik" – das klingt nach Schulaufsatz und drögem, allzu spätem "Klassiker"- Gedöns. Doch statt bildungsbürgerlicher Langeweile bietet Marieke Schroeder im Verbund mit ihrem Autor Georg-Albrecht Eckle einen stimmungsvollen filmischen Herbstspaziergang durchs schmucke Weimar – hin zu Schillers Wohn- und Sterbehaus, wo der Genius ab 1802 die letzten drei Jahre seines kurzen Lebens verbrachte, abgeschieden im noblen Bürgerviertel. Schroeders Begleiter ist der 75-jährige Peter Gülke, Sohn der Klassikerstadt und als solcher nicht nur geachteter Dirigent und Musikwissenschaftler, sondern auch geistes- und kulturgeschichtlicher Kenner von höchsten Gnaden. Wie ambivalent Schiller zur Musik stand: einerseits misstrauisch gegen den geistvergessenen "Schmelz" der Töne, die er nur als Transportmittel der Poesie gelten ließ, andererseits ehrfurchtsvoll gegenüber einer Kunst, die ausdrücken kann, was die Sprache nicht vermag – wie Gülke diese Materie im Gespräch mit Schroeder und Expertenkollegen ausbreitet, das nimmt ihr jeden abgehobenen Bildungsdünkel. Zumal nichts beschönigt wird, weder Schillers Unmusikalität noch seine krassen Fehleinschätzungen der berühmten zeitgenössischen Tonsetzer als oberflächliche Sinnenkitzler. Dass Schiller selbst nach Shakespeare zum meist vertonten Dramatiker avancierte, liegt an seinem – so Thomas Mann – Sinn fürs höhere Indianerspiel, das heißt die geradezu schematische, ergo operngeeignete Anordnung der Dramen. Und: Schillers Poesie schreit, wie die rezitierten Beispiele zeigen, förmlich nach Musik. Auf dem Liedsektor bewirkte sie noch zu Lebzeiten einen wahren Hype. Vor allem die Freuden-Ode war schon vor Beethoven Lieblingsobjekt von gut 40 Tonsetzern. Ihr Schöpfer selbst fand das ursprünglich bacchantische Trinklied ziemlich "mies". Mit Beethoven mutierte es bekannter- und seltsamerweise zur pathosgeschwängerten Menschheitshymne, die zur ideologischen Instrumentalisierung geradezu einlud. Schroeders Film bedient die Facetten des Themas auf kritische und zurückhaltende Weise. Wobei das Intime im Vordergrund steht, wie an der Hausmusik für Gesang/Gitarre und Oboe/Klavier zu erleben ist. Das nebelverhangene Weimar wiederum unterstreicht die tiefe Melancholie und späte Resignation unseres körperlich so zerrütteten Helden: "Der Himmel über mir will die Erde nie berühren": Auch sein Elysium, die Musik, konnte da nicht helfen.

Christoph Braun, 24.04.2010

http://www.rondomagazin.de/kritiken.php?kritiken_id=6974

 

Schiller und die Musik

Obwohl Schiller-Stücke Giuseppe Verdi mehrfach inspirierten, von den Räubern bis zu Don Carlos oder Peter Tschaikowsky seine Johanna von Orleans-Oper nach Schiller schrieb, sah sich der Autor selbst eher fern der Musik. Hinsichtlich des Besuchs einer probe von Glucks "Iphigenie auf Tauris“ schrieb er an Goethe: „Ich habe wie Sie wissen in Angelegenheiten der Musik und Oper so wenig Competenz und Einsicht, dass ich bei dieser Gelegenheit wenig taugen werde.“ In einem filmischen Spaziergang – „Schiller und die Musik“ von 2008 – durch das winterliche Weimar begleitet Marieke Schroeder den Dirigenten und Musikwissenschaftler Peter Gülke auf der Suche nach Schillers Verhältnis zur und nach der Wirkung seiner Dichtung auf die Musik. Das ist manchmal ein wenig betulich, doch wenn Gülke und der Opernregisseur Joachim Herz etwa in Goethes Gartenhaus erzählen, dass die „Ode an de Freude", die schon vor Beethoven vielfach vertont wurde, eigentlich ein Trinklied war, dann verliert der Klassiker plötzlich alles Denkmalhafte.

Harald Eggebrecht, Süddeutsche Zeitung, 26.10.2009

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Schiller and Music

2008 - 80 min - Marieke Schroeder

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